Sabine Cutner

In Erinnerung an Anna 

ich erzähle euch eine kleine wahre Geschichte von einem tapferen Mädchen. Ich durfte sie begleiten. Das ist nun viele Jahre her, aber sie ist unvergessen und hat mich etwas Wundervolles gelehrt.
Anna war ein 7J. Mädchen mit einem Hirntumor. Sie lag im Krankenhaus und ich besuchte sie, so oft es ging. Es war ein heißer Sommer und ich hatte frei. Eigentlich wollte ich schwimmen fahren. Aber ich dachte, ich schau bei Anna vorbei und kann dann ja immer noch zum baden gehen. 
Als ich ankam lag sie im Bett...ihr kleines zartes,weißes Gesicht hob sich fast nicht von ihrem Kopfkissen ab. Sie hatte keine Haare mehr und sah dennoch aus wie ein Engel. Sie schlief.
Ich setzte mich leise zu ihr und nahm ihre kleine Hand, in der sie ihre Puppe hielt. 
Ich musste an meine Tochter denken, ...an die letzten Jahre, die sehr aufreibend waren.
Anna wachte auf und freute sich mich zu sehen. Es sprudelte gleich aus ihr heraus und sie erzählte mir von ihrem Tag und was sie erlebt hatte. Plötzlich wurde sie traurig und sagte,daß die Ärzte sagten, sie müssten sie noch einmal operieren und das ihre Mama sehr geweint hat. 
Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Tränen stiegen in  mir auf.

Es war Anna, die die Stille durchbrach und sagte:” Komm, lass uns rausgehen. Ich möchte in den Park”. Ich sah in ihre großen klaren Augen und sagte :”na dann komm, gehen wir in den Park”.
Sie war so zart und dünn, aber sie lief vor mir, als wäre sie kerngesund und zwischendurch pflückte sie Blumen. Plötzlich blieb sie stehen und legte sich ins Gras. Sie klopfte mit ihrer rechten Hans neben sich...ich legete mich neben sie. 
Da lagen wir nebeneinander, es roch nach Gras und über uns zeigte sich ein strahlend blauer Himmel. Wir hörten Vogelgezwitscher und das Summen der Bienen. Über uns kreiste ein Bussard. Es war entspannend ihn zu beobachten. Er tat keinen Flügelschlag, es schwebte einfach und ließ sich treiben. 
Dann hörte ich leise Anna's Stimme:” Hast du Angst?” 
 Ich sagte: “Ja Anna.Habe ich”. 
“Aber wieso? Du weißt doch, dass wir uns wiedersehen. Ich werde fliegen wie dieser große Vogel da oben!” 
Sie zögerte keinen Moment, sprang auf und zeigte mir, wie es geht. Sie beobachtete den Greif ganz genau. So als würde sie sich mit ihm verbinden. Sie stand gefühlt eine Ewigkeit wie erstarrt da.
Nach einer Weile hob Anna ihre Arme und weitete sie aus, genauso wie sie es beim Greis sah.
Mit dem Blick auf den Bussard, erkannte ich, dass ihre Seele flog.
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Anna wurde nicht noch einmal operiert, da sie sich entschied vorher von dieser Welt zu gehen.
Es ist nun schon mehrere Jahre her, - für mich immer wieder
, als wäre es erst gestern gewesen. 
Tief in meinem Herzen hat mich dieses Mädchen berührt und mir etwas gezeigt, was ich nie vergessen werde : ...ihr tiefes Wissen, das der Tod überwindbar ist.